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Hildesheimer Miszellen
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Bemerkungen zur Baugeschichte einiger Gebäude Am Steine*
Frontseite Schlegels Weinstuben
Fachwerkhaus
Drei kleine, eine Einheit bildende Wohnhäuser in der Nachbarschaft des Roemer- und Pelizaeus-Museums (Am Steine 1-2) zählen zu den wenigen in Hildesheim erhalten gebliebenen Fachwerkbauten und verdienen allein schon aus diesem Grunde besondere Beachtung. In welchem Jahr sie errichtet wurden, ist nicht bekannt, wohl aber, dass es sich ursprünglich um ein vierteilige Reihenhauszeile handelte. Sie gehörte zu den Immobilien der Martinikirche und ging später in städtischen Besitz über. Die südlichste Wohneinheit (Am Steine Nr. 3) wurde 1911 abgerissen. Dier verbliebene dreiteiligen Bau stand Anfang der 70er Jahren des 20. Jh. zum Verkauf. 
Das Bauwerk wurde 1975, im Jahr der Denkmalpflege, zu einer Weinschenke (Schlegels Weinstuben) umgebaut. Die Fassade der Strassenfront die überkomme Form. Somit zeugen die drei beibehaltenen Haustüren weiterhin von der ehemalige Reihenhausgliederung. Die durch ihre Unregelmäßigkeiten reizvoll wirkende Dachfläche müßte zu Gunsten eines Daches aufgegeben werden, das in erster Linie seine eigentliche Aufgabe, Schutz vor Witterung zu bieten, erfüllen soll.  Die Grundfläche des Haus wurde durch eine Veränderung der Dachneigung im Westen (Hofseite) vergrößert. Luftbild

Dieser Anbau tritt an den Giebelseiten nicht in Erscheinung, da die vorhandenen vorgehängte Dachziegelverkleidung erneuert und entsprechend erweitert wurde. Die neue Aussenwand (westl. Traufseite), ist in Konstruktion und Erscheinungbild dem Altbestand angeglichen. Im Inneren des Gebäudes blieb die alte Aussenwand als offenen Holzkonstruktion erhalten. Die alten hinter dem Fachwerkhäusern liegenden, durch Zäune voneinander getrennten Höfe wurden freigeräumt, die vorhandenen Ställe, Waschküchen, Schuppen abgerissen. Dabei wurde ein massives Natursteinmauerwerk sichtbar. Um einen niveaugleichen Aussenbereich für die Gaststätte zu schaffen, sollte das Erdreich um gut einen halben Meter abgetragen werden. 

Brunnen
Nachdem die Baggerschaufel an einer Stelle des Hofes mehrere starke Steinplatten fortgeräumt hatte, kam ein gut erhaltener Brunnen zum Vorschein. Der Umbauplanung bereitete das keine Schwierigkeiten, sondern bedeutet eher eine angenhme Überaschung.  

Das aus Bruchsteinen aufgebaute Brunnenrund bestand im wesentlichen aus Bruchsteinmauerwerk, nur in der obere Partie aus segmentförmigen Hausteinen.  Das aus Bruchsteinen aufgebaute Brunnenrund bestand im wesentlichen aus Bruchsteinmauerwerk, nur in der obere Partie aus segmentförmigen Hausteinen. Zum Zeitpunkt der Entdeckung des Brunnens lag der Wasserspiegel etwa 3,30 m unter der Oberkante des Erdgeschoßfußbodens, der schlammige Grund nur etwa 1,20 m tiefer.  Das aus Bruchsteinen aufgebaute Brunnenrund bestand im wesentlichen aus Bruchsteinmauerwerk, nur in der obere Partie aus segmentförmigen Hausteinen. Zum Zeitpunkt der Entdeckung des Brunnens lag der Wasserspiegel etwa 3,30 m unter der Oberkante des Erdgeschoßfußbodens, der schlammige Grund nur etwa 1,20 m tiefer. Die Säuberung stieg ein Arbeiter nach unten. Der eimerweise nach oben beförderter Aushub enthielt eine große Menge von Keramikscherben. 

GrundrissDas aus Bruchsteinen aufgebaute Brunnenrund bestand im wesentlichen aus Bruchsteinmauerwerk, nur in der obere Partie aus segmentförmigen Hausteinen. Zum Zeitpunkt der Entdeckung des Brunnens lag der Wasserspiegel etwa 3,30 m unter der Oberkante des Erdgeschoßfußbodens, der schlammige Grund nur etwa 1,20 m tiefer. Die Säuberung stieg ein Arbeiter nach unten. Der eimerweise nach oben beförderter Aushub enthielt eine große Menge von Keramikscherben. Zutage geförderte grün glasierte Kacheln gehörten einst zu einem Renaissance-Ofen. Mehrere Gefäße ließen sich aus den Scherben, die bei der sorgfältigen Durchsuchung des Aushubs gefunden wurden, wieder zusammenfügen. Eine Spardose aus Keramik und andere kleine Gefäße zeigen sich unbeschädigt. Die genaue Datierung der Funde ist schwierig. Zum größten Teil stammen sie aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Schließung des Brunnens ist sicherlich für den Zeitraum anzunehmen, in dem das städtische Leitungsnetz eine bequemere Möglichkeit der Wasserversorgung bot. Das nahegelegene, in der aufgegebenen Martinikirche eingerichtete Museum erhielt erst im Jahre 1894 einen Anschluß an die städtische Wasserleitung. Für die benachbarten Wohnhäuser mag das ebenfalls zutreffen. Damit ist der Zeitpunkt für die letzte Benutzung des Brunnens eingeengt, für das Jahr seiner Erbauung ergeben sich jedoch keine Anhaltspunkte. 

Seine Zugehörigkeit  zum Fachwerkbau kann nicht als Grundlage für eine zeitliche Einordnung dienen, da in unmittelbarer Nähe des Brunnens, außer einem Turm der Stadtbefestigung, ein weiteres, bis 1975 unbekanntes, Gebäude stand.

Massiver Steinbau
Beim Forträumen der oben erwähnten Schuppen schonte man deren gemeinsame westliche Außenwand. Es ist die seither freistehende und damit beidseitig zugänglich gewordene Bruchsteinwand, die parallel zur Stadtmauer verläuft. Eine gleichartige, rechtwinklig dazu stehende Wand wurde innerhalb einer Stützmauerflucht, die die Grenze zum höhergelegenen, nördlichen Nachbargrundstück bildet sichtbar. Die Mauerflucht an dieser Grenze ist gekennzeichnet durch einen Versprung, der sich auch durch die Verwendung von unterschiedlichem Baumaterial absetzt und durch fehlenden der Mauerverbund auffällt.

Zusammen mit der heute freistehenden Wand ist ein aus Werksteinen erbauter Mauerwinkel erkennbar, dessen nordwestliche, äußere Ecke aus Quadersteinen besteht. Auch an dem östlichen Ende dieses Winkels finden sich solche Quader, ganz in der Art, wie man Ecken bei Natursteinmauerwerk ausführte.

Schon bei der ersten oberflächlichen Betrachtung der Innenseiten des Mauerwinkels fielen einige mit Erdreich verfüllte oder auch zugemauerte Fensteröffnungen auf. In der westlichen Wand fanden sich drei und in der Mitte der Nordwand ein Fenster. Die Fensterstürze lagen nach den Baggerarbeiten 80 cm über dem Erdboden. Die untere Begrenzung der ehemaligen Öffnungen blieb vom Erdreich verdeckt. Zur genaueren Untersuchung wurde das mittlere Fenster der Westwand von beiden Seiten freigegraben und vermessen. Die relativ kleine Fensteröffnung von 50 x 28 cm, einst mit drei senkrechten und zwei waagerechten Eisenstäben vergittert, sowie die Ausbildung der Fensterleibung erinnerten an Kellerfenster. Hinweise auf eine Geschoßdecke zwischen Fenstersturz und der Oberkante des Mauerwerk waren jedoch nicht sichtbar. Die mit Ziegelsteinen ausgefüllten Fehlstellen in diesem oberen Bereich der Wand, jetzt mit Bruchsteinmaterial ersetzt, ließen sich nicht eindeutig als Auflagen einer Balkenlage ansprechen.

Heute sind die Fensterstürze auf der Innenseite des Mauerwinkels dicht über dem Erdboden der neu angelegten Rosenbeete kaum zu erkennen. Der kleine als Kräutergarten angelegte schmale Streifen, zwischen der Westwand und dem durch eine aufgesetzte Ziegelsteinmauer erhöhten Stadtmauerrest, liegt fast ein Meter höher als das Niveau der gepflasterten Freifläche des Weinlokals. Die entsprechende Höhendifferenz an der Nordwand beträgt sogar bis zu 2,00 m. Zu welcher Zeit diese Bodenaufschüttungen erfolgten, kann nicht gesagt werden, aber seitdem sind die einstigen Fensteröffnungen mit Erdreich verdeckt. Es kann angenommen werden, dass die nicht freigelegten Fenster dem ausgegrabenen gleichen. Damit entpuppt sich der Mauerwinkel als der Rest eines massiven Gebäudes.

Von dessen Ostwand fanden sich keine Spuren beim Aushub für den neu errichteten Fachwerkanbau. Weil man davon ausging, dass Gebäude und Brunnen gleichzeitig bestanden und der Brunnen außerhalb des entdeckten Bauwerks lag, wurde ein kleiner Suchgraben angelegt. Diese Maßnahme erbrachte jedoch ebenfalls keinen Hinweis auf die östliche Begrenzung des Gebäudes. Allerdings erlaubte das Fortschreiten der Bauarbeiten nur eine kurze Überprüfung. Es ist möglich, dass ein sorgfältiger Abbruch, der die Wiedergewinnung des Steinmaterials zum Ziel hatte, das Beobachten von Belegen für eine solche Wand unmöglich machte oder zumindest sehr erschwerte.


Turm an der Stadtmauer
Für die Wiederbenutzung von Abbruchmaterial bietet der oben erwähnte Befestigungsturm ein, im wahrsten Sinne des Wortes, naheliegendes Beispiel. Er stand an der Außenseite der Stadtmauer in der Nähe des heutigen Parkplatzes, der sich dem Fachwerkhaus süd-westlich anschließt. In einem Stadtplan, der sogenannten Deichmannschen Karte, aus dem Jahre 1820 ist der Wehrturm eingezeichnet. Sein exakter Standort, sowie der genaue Verlauf der Stadtmauer lassen sich vor Ort anhand dieser Karte nicht bestimmen.

Als im Jahre 1827 für den Bau einer Brücke über den Kupferstrang 1) Steinmaterial benötigt wurde, entsann man sich des nicht mehr genutzten Mauerturms im Pfarrgarten der Martinikirche und beschloß seinen Abbruch. Der Rat der Stadt beauftragte Senator Müller, ein Gutachten und eine Kostenberechnung über die geplanten Abbrucharbeiten anzufertigen. In diesem Schriftstück heißt es: "Der Turm ..., dessen Bedachung schon früher abgenommen worden, ... hat eine Länge von 21 ½ Fuß, eine Breite von 20½ Fuß, eine Höhe von 53 Fuß und enthält im Inneren, ganz dem im verwichenen Sommer im Vorderen Brühle abgebrochenem Pulverthurme ähnlich, drei mit einem Tonnengewölbe überspannte Räume, welche zu keinem Zwecke benutzt werden können. Die Construktion geht aus der angelegten Zeichnung hervor." Die angegebenen Größen entsprechen den Maßen von 6,30 x 6,00 x 15,50 m.

Die Zeichnung ist erhalten und besteht aus einer Ansicht der Ostseite, einem Vertikalschnitt und je einem Grundriß der drei Geschosse. Die Risse wurden, offenbar von Senator Müller selbst, sehr sauber und fachmännisch ausgeführt, trotzdem haben sich einige Darstellungsfehler eingeschlichen. Bei der Ansicht fallen die aus Quadersteinen bestehenden Eckausbildungen auf. Diese Steine stellten sicherlich ein besonders wertvolles Abbruchmaterial dar und wohl deshalb zeichnerisch betont. Das übrige Mauerwerk des Turms bestand aus "rauhen Steinen" wie es im Gutachten von 1827 heißt.

Das spitzbogige, aus der Mittelachse herausgerückte Fenster im zweiten Obergeschoß und das quadratische Fenster im ersten Geschoß sind, in den Grundrissen nicht wiedergegeben. Die in der Ansicht punktiert angelegte Wandfläche, ist bündig mit der Stadtmauer anzunehmen, an deren Außenseite der Turm stand. Diese Mauerfläche war von der Ostseite nicht sichtbar. Das Erdgeschoß, von der Stadtseite ebenerdig durch eine Tür zu erreichen, lag damals um gut vier Meter über dem Niveau, das sich außerhalb der Stadtmauer zum Mühlengraben neigte.

Der Schnitt zeigt drei übereinander liegende Räume. Mit Hilfe von Leitern konnte man durch „Steigelöcher“ in die oberen Etagen klettern. Man erkennt, dass die in Richtung Stadt weisende Wand nur halb so dick war, als es die drei übrigen Wände. Außerdem nahmen die Wandstärken nach oben hin ab. Welchen Zweck die in den beiden unteren Räumen eingezeichneten Wandnischen erfüllten, geht aus dem Plan nicht hervor. Die große Nische in der Ostwand des Erdgeschosses wird zur Aufstellung einer Kanone gedient haben. Eine Schießscharte ist allerdings lediglich in der Schnittzeichnung angegeben. Die im Grundriss des zweiten Obergeschosses eingetragenen gestrichelten Linien könnten mit einem Aufgang zum Dachboden zusammenhängen. Auch hier stimmen Grundriss und Schnittzeichnung nicht überein. Ebenso unklar bleiben Details des zweiten Obergeschosses. Diese Unstimmigkeiten wiegen nicht schwer, angesichts der Tatsache, dass die Zeichnung zu den wenigen bildlichen Dokumenten gehört, die uns eine exakte Darstellung von abgebrochenen Türmen der Hildesheimer Stadtbefestigung liefern.

Ebenso wie der abgerissene Turm im Pfarrgarten der Martinikirche einen Teil der städtischen Verteidigungsanlage bildete, könnte auch der als Mauerwinkel erhaltene Gebäuderest zu jenen Bauwerken gerechnet werden, die dem militärischen Schutz Hildesheims dienten.

Ein Detail von Merians Stadtplan aus dem Jahre 1653  zeigt einen Bereich der Hildesheimer Stadtbefestigung.  Südwestlich von Dom (Nr. 1)  und Martinikirche (Nr. 10) lassen sich mehrere  Türme erkennen. Nahe der Mündung der Treibe in die Innerste (unterer Bildrand) ist ein Turm vor dem Giebel der Martinikirche abgebildet.  Er ist kleiner als die anderen.  Der Zeichner mag ihn als weniger bedeutend angesehen haben, stellte ihn als Rundbau mit Kegeldach dar.  Damit unterlief ihm ein Fehler, denn Dokumente aus dem Jahre
 

  


Anmerkung:

*) Rolf SCHULTE, Bemerkungen zur Baugeschichte einiger Gebäude Am Steine. In: Hildesheimer Heimatkalender 1976, S. 91-96.  (zurück)

1) Die "massive Brücke, welche über den Kupferstrang neben dem Clubgarten zur Schützenwiese" führte, befand sich etwa dort, wo heute die Michelsenschule steht. (zurück)




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