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Transekt-Detaildaten                                             Tagfalter-Monitoring Deutschland

 

Nummer des Transektes:   N−3825−02                                                

Name des Transektes:      Elsbeerweg                                                   Zähler:                             Rolf Schulte

Nächste Ortschaft:             D-31139 Hildesheim, OT Marienrode                 Regionalkoordinator:       Michael Reich

Bundesland:                        Niedersachsen                                                Länge des Transekts:      200 m

TK 25:                                  3825 (Blatt Hildesheim)                                    Anzahl der Abschnitte:    4 

Koordinaten:                       R 35 62 310, H 57 74 155                                    Habitat:                     Siehe lfd. Text

                                            R 35 62 280, H 57 74 230                                    Schutzstatus:             Nicht geschützt

Exposition:                          SSO

 

                                

 

1) Lage, Geologie, Beschreibung

 

Abb. 1) Grundlage: Stadtkarte Hildesheim 1:1500 (6. Aufl., 2000)

Bei dem Transekt handelt es sich um einen land- und forstwirtschaftlich wenig benutz­ten Feldweg, der nördlich des Klosters Marienrode zum Klingenberg führt (siehe roter Pfeil).

 

Der südlichste Punkt (R35 62 310, H57 74 155) des Transekts liegt etwa 141 m, der nördlichste (R35 62 280, H57 74 230) am Saum des Hochwalds etwa 155 m über Normalnull.

Für den sonst namenlosen Feldweg ver­wen­de ich die Bezeichnung Elsbeerweg und nehme dabei Bezug auf dort wachsen­de Elsbeerbäume, die zusammen mit zwei Linden eine markante und geschützte Baumgruppe bilden.

 

Abb. 2) Geologische Karte von Preußen und benachbarten Ländern, Blatt 2090 Hildesheim (2. Aufl. 1927), Ausschnitt: Gut Marienrode

 

 

Der Feldweg liegt über einem Kalkstein­horizont (Oberer Muschekalk, mo1), der sich im Gelände jedoch nicht un­mittel­bar darstellt.

Die fast vegetationslosen Fahrspuren des gern von Spaziergängern benutzten Weges, bestehen aus Kalksteinbruch­stücken und verdichtetem Boden.

 

Einst führte der Weg zu einer Steinkuhle, die allerdings seit etlichen Jahrzehnten weitgehendst verfüllt ist. Ihr nörd­licher Teil verbirgt sich heute unter einem etwa 30-jährigen Baum­be­stand (vorherrschend Vo­gel­kir­sche, Prunus avium).

 

 

Der südliche Teil des Steinbruchs wurde in den 80er und 90er Jahren des vergange­nen Jahrhunderts mit Baumschnitt, Gartenabfällen und Erd­reich aufgefüllt. Dichte Brom­beer- und ausgedehnte Brennes­sel-Bestände markieren diese Verfüllun­gen. An einer Stelle des Weg­randes zeu­gen Schilf (Phragmites) und das Vorkom­men einer Bernsteinschnecken-Art (Succinea-Oxoloma) davon, dass hier einst auch Schlamm aus dem nahegelegenen Mühlenteich abgelagert wurde.


 

2) Abschnitte, Beobachtungszeitraum, Habitat, Kleinklima

 

Abb. 3) Grundlage: Stadtkarte Hildesheim 1:5000 (Mai 2006)

Das Transekt ist in 4 Abschnitte von je 50 m Länge unterteilt. Sie sind auf der Karte mit A bis D bezeichnet.

Der Be­ob­­achtungs­zeitraum umfaßt mit mehr als 23 Begehungen gut fünf Mona­te. Die erste Begehung erfolgte am 01.05., die letzte am 15.09.2006, ein abschließender Kontrollgang 14 Tage später.

 

Auf dem Acker Kleiner Steinkamp stand im Vorjahr Raps, danach bis zur Ernte, Ende Juli 2006, Winterweizen.

 

Zur Flur Schiefe Reihe zählen eine Mähweide und ein Feld.

Das Feldstück wurde Anfang Mai 2006 nach einer Herbst-Winter-Brache ge­gru­bert, dann mit Senf zur Gründüngung einge­sät. Während der Blüte im Juli erfolg­te die Mahd. Seit August liegt der Acker wiederum als gegruberte Fläche brach.

 

Die eingezäunte Weide an der nord-öst­lich­sten Seite des Elsbeerwegs ist schon seit vie­len Jah­ren  nicht mehr mit Rindern be­setzt wor­den. Nur gelegentlich stan­den im Som­mer 2005 ein paar Pferde oder im August 2006 kurzfristig einige Schafe auf der zur Heu­gewin­nung einmal jährlich ge­mäh­ten Weide.

 

Möglicherweise lässt sich das Habitat des Elsbeerwegs durch meine Beschreibung einordnen, denn eine Übereinstimmung mit der EUNIS-Codierung ließ sich nicht finden.

 

Schmale Feldraine und relativ breite Kraut­zonen oder auch hohes Buschwerk trennen den ca. 2,50 m breiten Elsbeerweg von den land­wirt­schaftlichen Nutzflächen. Das Transekt, Weg und die rechts und links jeweils angrenzenden 1,25 m, zeigen sehr unterschiedliche Pflanzengesellschaften. Zur Artenvielfalt trägt der nahe Laubwald (LandschaftSchutzGebiet) besonders in Abschnitt D bei.

 

        

 Abb. 4) Abschnitt A (Blickrichtung Nord);   Abb. 5) Abschnitt B (Blickrichtung Nord);   Abb. 6)  Abschnitt D (Blickrichtung Süd)                           

 

Der Abschnitt A des Transekts besteht zum Teil aus vegetationslosen Fahrspuren des Feldwegs und relativ artenarmen Feld­rainen. Der Weg führt etwa 20 m an einem mutmaßlich künstlichen Hügel entlang. Eine kleine, nach Süden geböschte windgeschützte Krautzone und dichtes Buschwerk ( Hundsrose, junge Elsbeerbäume, Pfaffenhütchen) gehören zum Transekt.

Der Hügel zeichnet sich durch eine markante Baumgruppe aus. Es handelt sich um zwei Linden (Tilia platyphyllos) und eine alte Elsbeere (Sorbus tominalis). Sie sind durch „Verordnung zur Sicherung von Gehölzen als Naturdenkmal in der Stadt Hildesheim″ seit 2004 geschützt. Der Kronenbereich dieser alten Bäume liegt außerhalb des Transekts.

 

 

Abb. 7) Abschnitt B und C (Blickrichtung Südwest), im Vordergrund die gegruberte Feldflur Schiefe Reihe.

 

Mit Beginn des Abschnitts B, (nicht wie die Stadtkarte 1:5000 vermuten läßt erst am Über­gang von B nach C) nimmt der westliche Feldrain erheblich an Breite zu und bietet Raum für ein Schlehengebüsch. Dessen Nordseite überranken Waldreben. Daran schließt sich eine mit Brennesseln und flachrankenden (kniehohen) Brombeeren bedeckte Fläche an. Die Ostseite des Wegs begrenzt der flache Feldrain des Ackers Schiefe Reihe. Der Rain wurde im Juli 2006 gemäht.  

 

 

Abb. 8) Abschnitt C (Blickrichtung Nord)

Abb. 9) Abschnitt D (Blickrichtung Nord)

Nicht so seine Fortsetzung, die leicht geböschte Fläche zwi­schen Fahr­spur und Weidezaun. Sie gehört zum Abschnitt C. Neben verschiedenen Gräsern wachsen hier u.a. Acker- und Zaun­winde, Odermennig, Flockenblume. Die gegen­über­lie­gen­de Westseite des Wegs wird von Waldreben, sich flach aus­breitenden Brombeeren und der üppig wuchernden Großen Brennessel beherrscht. Dazwischen stehen verein­zelte Schilfhalme (Phagmites australis). Einige Quadratmeter sind dicht mit grannenloser Tres­pe (Bromus inermis) bestan­den.

Ein Holun­der­busch und eine junge Salweide unterbrechen den niedrigen Bewuchs.  Diese und weitere Gehölze, wie Esche, Schlehe und Ahorn stehen am Rand oder bereits außerhalb des fünf Meter breiten Transekts.

 

In Abschnitt D setzt sich der vorwiegend mit Gräsern bestandene Randstreifen entlang des Weidezauns fort. Auf ihm stehen, zum Waldrand hin an Zahl zunehmend, viele kleine (max. brusthohe) Eschen, die von Waldrebe bedrängt werden Abb. 6, links). Eine Heckenrose im Kronenbereich einer kräftigen Stieleiche bildet den Übergang zum Hoch­wald des Finkenbergs. Die westliche Seite des Elsbeerwegs ist durch die jüngeren Auffüllungen der ehemaligen Stein­kuhle geprägt. Eine Partie ist vollständig mit undurch­dring­lichen Brombeeren überwachsen (Abb. 6, rechts). Am Rand nahe der Fahrspuren steht Weißer Steinklee. Unter einigen Kalksteinen und an Stengeln von Kräutern haben sich Amei­sen angesiedelt. 

In Abschnitt D zweigt ein Wanderpfad vom Elsbeerweg westlich ab. Diese Stelle markieren die dichtgedrängt ste­henden Gehölzarten (Abb. 8, links): Esche, Ahorn, Holun­der, Rose, Brombeere, Waldrebe. Die Große Brennessel steht auf erst vor wenigen Jahren zusammen­ge­scho­benen Erdablage­rungen.

Kleinklima

Die obere Partie des Elsbeerwegs, insbesondere also Abschnitt C und mehr noch Abschnitt D, liegt oft im Windschatten des Waldes und ist deutlich wärmer als der tieferliegende offenere Teil des Transekts.

Die geringen Niederschläge in den Sommermonaten 2006 machten sich an einigen Gehölzen durch braun-welke Blätter bemerkbar (Abb. 9).


 

3) Flora

 

 

Neben der im Vordergrund stehenden Zählung der Tagfalter verführten die regelmäßigen Begehun­gen zur Registrierung der am Elsbeerweg wachsenden Pflanzenarten. Dabei ist daran gedacht, die Artenliste in der kommenden Vegetationsperiode zu vervollständigen.

 

   

Abb. 10 (v.l.n.r.) Johanniskraut, Wilde Spargelbohne, Odermennig, Greiskraut (mit Pieris napi)

 

Gehölze

Feld-Ahorn

Acer campestra

Ahorn

Acer platanoides

Waldrebe

Clematis vitalba

Weißdorn

Crataegus monogyna

Esche

Fraxius exclesior

Schlehe

Prunus spinosa

Trauben-Eiche

Querus petraea

Rose

Rosa arvensis

Hundsrose

Rosa canina

Brombeere / Himbeere

Rubus

Sal-Weide

Salix caprea

Schwarzer Holunder

Sambucus nigra

Elsbeere

Sorbus torminalis

 

Kräuter

Blauer Eisenhut

Aconitum napollus

Kleiner Odermennig

Agrimania eupatoria

Knoblauchrauke

Alliaria petiolata

Wiesenkerbel

Anthriscus sylvestris

Gewöhlicher Beifuß

Artemisia vulgaris

Beifuß

Artemisia vulgaris

Aronstab

Arum maculatum

Unbegrannte Trespe

Bromus inermis

Wehrlose / Grannenlose Trespe

Bromus inermis

Weg-Distel

Carduus acanthoides

Wiesen-Flockenblume

Centaurea japoniea

Kälberkopf / Kerbelrübe

Chaerophyllum

Ackerdistel

Cirsium arvense

Kratzdistel

Cirsium vulgare

Ackerwinde

Convolvulus arvensis

Zaunwinde

Convolvulus sepium

Wilde Möhre

Daucus carota

Ackerschachtelhalm

Equisetum arvense

Rote Taubnessel

Galeopsis

Hohlzahn ?/ Weiße Taubnessel

Galeopsis ?/ Lamium album

Nelkenwurz / Geum

Geum urbanum

Gelbe Taglilie

Hemeracallis fulva

Leberblümchen

Hepatica nobilis

Johanniskraut

Hypericum

Weiße Taubnessel

Lamium album

Wiesen-Blatterbse

Lathyrus pratensis

Kamille

Matricaria

Kamille

Matricaria

Hopfenklee / Gelbklee

Medicago lupulina

Weißer Steinklee

Melilotus albus

Roter Zahntrost

Odontiles vulgaris

Schilf

Phagmites australis

Spitz-Wegerich

Plantago lanceolata

Breit-Wegerich

Plantago major

Gänse-Fingerkraut

Potentilla anserina

Aufrechtes Fingerkraut

Potentilla erecta

Kriechender Hahnenfuß

Ranunculus repens

Greiskraut

Senecio

Wald-Ziest

Stachys sylvatica

Sternmiere

Stellaria

Löwenzahn

Taraxacum

Wilde Spargelbohne / Spargelschote

Tetragonolobus maritimus

Klettenkerbel

Torillis

Brennessel

Urtica dioica

Eisenkraut

Verbena offizinalis

 

4) Anmerkungen zum Erfassungsbogen

Den von der UFZ Leipzig-Halle im Pdf-Format vorgegebene Erfassungsbogen habe ich hinsichtlich der aufgeführten Artenliste hiesigen Ver­hältnissen angepasst.

Die gewünschte Einschätzung der Windstärke bereitete Schwierigkeiten, denn zumeist waren die charakteristischen Merkmale für die Stärken 1 bis 4 innerhalb einer einzigen Begehung zu beobachten und sich auf einen Durchschnittswert festlegen zu müssen ist unbefrie­di­gend. Die vom UFZ erwarteten Angaben zur Bewölkungsdichte in Prozentangaben stellte eine ebenso unglückliche Lösung dar.

Viel einfacher als zu Beginn vermutet, erwies sich die Bestimmung der Falterarten. Dabei bewährte sich u.a. der Einsatz eines digitalen Fotoapparats. Auch wenn selten qualitätsvolle Fotos gelangen, ermöglich­ten die Aufnahmen doch eine Verifizierung oder nachträgliche Bestimmung anhand der Literatur. Allerdings ließen sich die flatterhaften Pieris-Arten nur selten mit dem Fernglas, erst recht nicht mit dem Fotoapparat „einfangen″. Sie wurden deshalb beim Zählen als Gruppe zusammengefasst. 

 

Abb. 10    

 Abb. 11 

 

Abb. 12   Abb. 13 

 

 

 

10)  Sonnenröschen-Bläuling 25.07.2006

11)  Hauhechel-Bläuling, 25.07.2006

12)  Resedafalter, 07.07.2006

13)  Perlmuttfalter, stark abgeflogen, 30.08.2006

 

 

 

 

Abb. 14

 

 

 

14)  Rostfarbiger Dickkopffalter, 14.07.2006

15)  Großes Ochsenauge , 03.08.2006

16)  Kleines Ochsenauge , 25.07.2006

17)  Raupennest (Kleiner Fuchs ?), 21.06.2006

18)  Raupe (?), 08.06.2006

 

 

  

Abb.15    Abb. 16  

 

 

 Abb. 17       Abb. 18  

 

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